Home Berichte Perseidennacht 2007

Perseidennacht 2007

E-Mail Drucken
Eine schöne Perseidennacht
(Beobachtung am 12.8.2007 in Winnigstedt)


Es wurde auch wieder einmal allerhöchste Zeit !! Die letzte Spechtelnacht ist schon eine geraume Zeit her. Wir haben uns schon für Freitag und Samstag verabredet, aber das liebe Wetter hat wieder einmal nicht mitgespielt. Welche Möglichkeiten hätten wir, verdammt noch einmal! NEUMOND und PERSEIDENSCHAUER, wann gibt's das schon mal? Aber statt klare Nächte hat der Wettergott ganze Wolkenbänke geschickt und uns die Aussicht auf ein ungestörtes Sterneschnuppenzählen vermasselt.

Doch heute am Sonntag, den 12. August sollte alles anders werden! Gegen 21h wurde ich von meinem Kumpel Peter und seinem Töchterchen abgeholt und wir fuhren los zu unserem Winnigstedter Spechtelplätzchen. Während der Fahrt riskierte ich einen ängstlichen Blick gen Himmel und es war, kaum zu glauben, klar wie eine Rindsbouillon. Als wir Richtung Platz einschwenkten, sahen wir schon von Weitem, dass wir nicht alleine sein würden. Gott sei Dank schien es eine rege Beteiligung zu werden. Wir fanden schon unseren Vereinsboss „Bernd sein Nagel" sowie Sigrid incl. Sohn und Werner
Hentze anwesend. Zu unserer Überraschung hatte auch seit langer Zeit unser frisch gebackener Familienvater „Dobson-Dennis" wieder einmal Zeit gefunden. Später gesellte sich noch unser Vereinsältester Günter Pannach dazu.

Nach einem intensiven Pläuschchen wurden dann die Vorbereitungen getroffen. Sigrid, Peter und Tochter, Bernd und Werner holten ihre Liegestühle und Feldstecher raus und machten es sich beobachtungsbequem. Sie teilten sich den Himmel in Quadranten ein und begannen pünktlich um 22h das „Schnuppenzählen." Bernd und Peter brachten ebenfalls noch ihre
Fotoapparate in Stellung, um eventuell einige Strichspuren von den Perseiden abzulichten. Bald hörte man auch schon die
Begeisterungsrufe „Daaa, Jaaa, Waaaahnsinn, Boooa" sowie Richtungsbestimmungen „Zum Schwan hin", „Richtung Pegasus" etc.


Dobson-Dennis und ich waren der Meinung, dass bei einer so schönen und klaren Neumondnacht und längerer Spechtelpause ruhig ein wenig Deep-Sky angesagt wäre. Nach einigen Routineobjekten incl. einer intensiven Jupiterbetrachtung mit Gelbfilter stellte ich mein 8"-Birkmeyer-Dobson auf die Milchstraße ein und bei geschätztem 6,2mag-
Himmel begann ich, den Nordamerikanebel NGC 7000. mit meinem 50mm-Weitwinkel und einem 2"-0III-Filter abzufahren. Nach einer gewissen Filteradaptionszeit taten sich Strukturen ohne Ende auf. Der Nebel war fast komplett im Okular. Die Bucht von Mexiko hob sich eindeutig von der Nebelfülle ab und schwach, aber eindeutig sah man etwa 2° weiter westlich eine Nebelbank- IC 5067, den „Pelikan". Ich war begeistert und erfüllt nach dieser langen Durststrecke endlich wieder einmal so was schönes zu sehen. In diesem Moment dachte ich „Scheiß auf die Perseiden". Das nächste Objekt der Begierde war der Cirrus-Komplex. Ich fixierte das Telrad Mitte Linie ε Cygni – ζ Cygni und zog es knapp 1° nach unten und siehe da, NGC 6992, der „Hexenfinger" schälte sich kreideweiß und struktuiert hervor. Nun wollte ich es wissen und schraubte meinen 1¼ Zoll Filter vor mein Seben-Zoom-Okular und fuhr den Hexenfinger von oben bis unten ab: Kontrast ohne Ende. Ich wechselte wieder die Okulare und schwenkte zum „Sturmvogel". Da war er und im 50er Weitwinkel sogar ganz zu sehen. Auch hier war der Zoom-Okular-Versuch mit Strukturen von Erfolg gekrönt. Man konnte im 50er-Okular ebenfalls die schwächeren Nebelstrukturen vom NGC 6960- Teil eindeutig ausmachen. Zum ersten Mal habe ich den Cirrus komplett ersichtlich abfahren können.

Und in diesem Moment waren mir die Perseiden im wahrsten Sinne des Wortes „schnuppe". Weiter ging es zum „Crescent" NGC6888. Das Telrad von γ Cygni etwa 0,5° in Richtung π Cygni bewegen, und schon hat man ihn vor den Augen. Deutlich ist die sichelförmige Aufhellung zu sehen und bei längerem Hinsehen entwickelt sich der Crescent sogar als Scheibe.
Und immer wieder als Nebengeräusche „Jaaa", „und noch einer zur Andromeda"," BOOOOaa".

Das lässt mich unbeeindruckt und weiter ging es hinab in die Milchstraße. Das Band war so hell und deutlich zusehen, ebenfalls die Teilung bei Deneb, als ob es sich um wirklich Wolken handeln würde. Da ist eben eine sehr helle Schnuppe durch den Schwan gedüst, die bei den Kollegen wieder ein vielstimmiges „Wau" und „Jaaa" entfachte. Dennis zeigte mir in seinem 12Zöller den im Delphin befindlichen Planetarischen Nebel „Blue Flash", der sich tatsächlich eindeutig als aufgehelltes Scheibchen inmitten des Sterngewimmels der Milchstraße heraus kristallisierte. Allerdings hatte Dennis eine
ziemlich hohe Vergrößerung gewählt. Mein nächstes Ziel war im Füchschen M27, der Hantelnebel. Man halte das Telrad auf den Pfeilspitzenstern γ Sagittae und fährt damit etwa 4° in Richtung η Cygni, und automatisch blobbt der Hantelnebel ins
Gesichtsfeld mit einer Helligkeit, die das Aufsetzten einer Sonnenbrille empfehlenswert machte. Der OIII-Filter erschien mir in
diesem Fall zu hell, und ich schraubte meinen UHC-Filter vor das Zoom-Okular. Tatsächlich hatte ich jetzt nicht nur die Hantel vor Augen, sondern auch seine „Ohren".

Diese Nacht war der reine Wahnsinn!, und immer wieder „Jaaaa", „Daaaa- Richtung Adler" Weiter ging es südlich runter zum kleinen aber feinen Sternbild Schild, wo man schon mit bloßem Auge die Schildwolke erspähen konnte. Mit dem Telrad grobschlächtig diese Sternwolke anvisiert und schon haben wir den für mich schönsten Sternhaufen im Okular: M11, den „Wildentenhaufen". Jetzt zahlt sich das Zoomokular so richtig aus. Ich verstehe heute noch nicht, warum das 24mm-8mm Seben unter den Kollegen so verpönt ist. Für diese man gerade 40-Euro-Investion habe ich ein sagenhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen. Der Sternstaubhaufen M11 hat bei etwa 150fach einfach einen unbeschreiblichen Anblick: Dieser unheimlich dichte Sternhaufen zeigt trotzdem einige sehr schöne Sternketten und einen markanten hellen Stern nahe dem Zentrum. So langsam wird es Mitternacht und meine Rentnerknochen werden schon so langsam steif. Nichts desto Trotz komme ich nun zu meinen Highlights.

Ich schubse den Tubus durch die Schützenwolke,. fahre die Milchstraße weiter in südlicher Richtung ab und stoße auf einen
schönen Sternhaufen, der in einem Nebel zu liegen scheint, also der OIII wieder vor das Seben geschraubt- und siehe da, ich habe eindeutig M16, den Adlernebel im Visier. Allerdings, muss ich gestehen, hat er mir ohne Filter und mit Sternhaufen besser gefallen. Die Nebel sind zwar im OIII eindeutig auszumachen, aber nicht so strukturreich wie im Crescent oder im Amerikanebel. Das sollte sich jedoch beim nächsten Objekt ändern:
Nur etwa 2,5° südlich von M16 stößt man auf einen sehr hellen Nebel: M17, der Omeganebel. Er ist schon ohne Filter ein schönes und auffälliges Objekt aber mit dem 2"OIII im Visier holt er mächtig aus. Da kommt sein Spitzname „Hufeisen" so richtig zur Geltung. Eingebettet in zarte Nebelhüllen hebt sich der helle Bereich von dem dunklen Hintergrund ab. Bei 150fach ist er schon phantastisch reich an Struktur mit helleren Regionen und dunklen Staubwolken.

Sigrid hatte ihr 8"-Meade Dobson ihrem Sohn zur Verfügung gestellt. Er war sich bei einem Objekt nicht sicher, aber ich konnte ihm bestätigen, dass er im Wassermann den 7009ner alias „Saturnnebel" gefunden hat. Es war in seinem Teleskop ein schöner Anblick: ein graues Scheibchen mit seitlichen Ausläufern. Ich finde es einfach nur toll, dass Sigrid ihrem Filius unser Hobby schmackhaft machen konnte.

Eigentlich wollt ich noch runter bis zur „Lagune" M8, aber mein Rücken sagt „njet". Mittlerweile ist es schon 00h30. Es ist zwar noch relativ windstill, aber die Feuchtigkeit und Nachtkühle hat langsam meine Knochen erreicht und ich fühle mich stocksteif. Um die südlichen Schützenobjekte anzupeilen, müsste ich mit meinem „Dobbie" ziemlich tief runter und ich höre schon meine Knochen knacken. Also schnappte ich mir einen noch freien Liegestuhl und eine Decke und unterstützte meine Kollegen beim „Perseidenzählen":   " Daaa" „Jou, Richtung Giraffe und Großer Bär", "Heyyyy"....

 

 

Stunde Anzahl
22 h - 23 h 25
23 h - 00 h 46
00 h - 01 h 56
01 h - 02 h 68
Mein Kumpel Peter hat sehr akribisch eine Liste geführt und alle Beobachtungen der Kollegen eingetragen. Wir kamen ab Mitternacht auf ca. 60 Schnuppen pro Stunde. Vor allem ist jetzt der Perseus schon schön hoch am Himmel und wir können ganz entspannt die Sternschnuppen verfolgen. Gelegentlich hört man unseren Big Boss Bernd fluchen, weil er meistens seinen Fotoapparat dort eingestellt hat, wo nichts passierte. „Verdammte Teufelei," schimpft er immer wieder, „Irgendwas haben die gegen mich!"

 

Einige Schnuppen kamen aus dem rechten Flügelbereich des Schwans und konnten eindeutig als „Nicht-Perseiden" eingestuft werden. Dieser nicht so ergiebige Meteoritenstrom entpuppte sich als die „Kappa-Cygniden". 02h war gerade überschritten und vom Westen her schob sich rasend schnell eine Wolkenbank über unseren Platz. Ehrlich gesagt war es mir nicht so unrecht, den Dank der leidigen Rückenschmerzen war ich nicht mehr so hochprozentig konzentriert.
Gegen 02h30 war alles eingepackt und es ging heimwärts.

Die schönste Nacht in den letzten 3 Monaten fand ihr Ende!

Hans Hubner

 

Strichspuraufnahme der Plejaden mit Mars (südlich der Plejaden), 13.08.2007, Richtung Nordost, 0:30 MESZ, 15 Min. belichtet

(Pentax MX 1:1,4 /f=50mm, Kodak 400 ASA)

(Foto: P.Volkmer)

plejad_mars_2007

 

Home Berichte Perseidennacht 2007